Veröffentlicht am
01.04.2009
Das Web 2.0 und der klassische Journalismus: Siamesische Zwillinge im Bruderstreit
Zunächst einmal: Längst ist ein heftiger Disput im Gange: Journalisten klassischer Prägung versuchen, ihr Terrain, das der Printmedien, zu verteidigen, obwohl die Verlage selbst längst das Medium Internet nutzen, ihre Printausgaben durch Online-Portale ergänzen oder das Internet als aktualitätsbezogenes Recherchetool missbrauchen. Mal mehr, mal weniger. Siehe Winnenden. Auf der anderen Seite (freie) Online-Journalisten, in der Regel Blogger, die neues Terrain erobern und über das Medium neue Wege gehen möchten, eigentlich müssen. Die Lesegewohnheiten werden sich ändern.
Stellt sich die Frage, auf welchen (wackeligen) Beinen dieser Disput steht? Ist es die Angst der einen vor dem Verlust der Meinungsmacht in Zusammenhang mit Massenmedien? Ist es das Misstrauen der anderen vor dem Reviergehabe? Paradigmenwechsel fordern immer Opfer: Zumeist die, die nicht Schritt halten wollen oder können und gleichzeitig das alte beim alten belassen. Genau so findet im Web 2.0 eine Selektion statt. Was hilft es, sämtliche Instrumente einzusetzen, die das Medium hergibt, wenn der Inhalt nicht stimmt. Der siamesische Zwillingseffekt beginnt bei - natürlich - dem Geld. So viel Fatalismus muss sein. Dort wo es fehlt oder eingespart werden soll zu Gunsten von Margen, Share Holder wollen schließlich ihren Value, dort fehlt genau dieses, um Themen anzupacken, sie zu verfolgen, gründlich zu recherchieren. Das kann teilweise sicher durch Enthusiasmus und den nach wie vor vorhandenen Berufsethos kompensiert, aber keineswegs substituiert werden.
Die große Gefahr die ich sehe ist, dass der Basisjournalismus - der klassische wie auch der digitale - peu à peu ausblutet, förmlich geschächtet wird. Das Sagen haben häufig nicht mehr Verleger und Herausgeber, das Megaphon wurde weiter gereicht an Manager, die managen, denen das Produkt relativ egal ist, weil sie andere Horizonte absuchen als die der möglichst vielseitigen und vor allem fundierten Information.
Vielleicht, wenn ich zurück denke an die Anfangszeiten, wurde der Kardinalfehler begangen, das Internet als ein "Umsonst-Medium" gegenüber den Konsumenten zu positionieren. Das mag teilweise funktionieren, Beispiele gäbe es zur genüge, aber nicht immer und ausschließlich, denn selbstverständlich müssen wirtschaftliche Faktoren berücksichtigt werden. Besser wäre es wohl gewesen, dem Konsument zu vergegenwärtigen, dass Information (gleichzusetzen mit Bildung) ein deutlich wichtigeres Wirtschaftsgut ist wie ein Auto oder der Besuch eines Fußballspiels, bei dem auch niemand auf die Idee käme, es umsonst kaufen oder besuchen zu wollen.
Das ist meine Sichtweise im Groben. Dass das Thema deutlich mehr Facetten bietet, steht außer Frage. In der Backlink-Liste habe ich Ihnen die ein oder andere Adresse aufgelistet, die es Ihnen ermöglichen sollte, tiefer in das Thema einzusteigen, falls Sie diese Blogs nicht eh schon kennen. Die Liste wird bei Bedarf ergänzt. Bleiben Sie neugierig.